Kraft der Veränderung
Systemische Beratung

Ein scheinbar unlösbares Problem

Eine mögliche Ursache für Probleme kann der Unterschied zwischen einer Erwartung und der aktuellen, tatsächlichen Lebenssituation sein. Die Erwartung kann aus dem Umfeld kommen, sie kann aber auch aus einem inneren Anspruch entstehen.
Sie kann also auf den ersten Blick sowohl von außen, als auch von innen kommen. Bei genauerer Betrachtung entspringt häufig auch der innere Anspruch einer äußeren Quelle durch z. B. Erziehung (Vgl. Der systemische Blick).

Typischerweise sind wir Erwartungshaltungen über einen langen Zeitraum ausgesetzt. Dadurch können sie sich tief im Innern verankern und dazu führen, dass eigene Ziele und Wünsche nicht mehr bewusst wahrgenommen und erkannt werden können. Die Erwartung verstellt uns den Blick auf uns Selbst.

Der amerikanische Psychologe Carl Rogers spricht in diesem Zusammenhang von dem „wahren Selbst“ und dem „idealen Selbst“, einem aus der Erwartung entspringenden: „So sollte ich sein“ und bezeichnet die Differenz zwischen diesen beiden Polen als „Inkongruenz“.

Inkongruenz bezeichnet demnach die Abweichung zwischen dem, was wir glauben tun zu müssen und dem, was wir eigentlich, unserem tiefsten Innern folgend, tun würden. Gelingt es uns nicht, gelebte Erfahrungen in unser Selbstbild zu integrieren, sie zu akzeptieren, kann diese Differenz zur Ursache für seelisches Leid werden.

Menschen sind häufig davon überzeugt, dass Probleme genau dann entstehen, wenn sie Ansprüchen nicht gerecht werden und versuchen aus dieser Überzeugung heraus umso intensiver den Erwartungen gerecht zu werden.

Mein Verständnis ist durch Carl Rogers geprägt: Probleme entstehen nicht durch das Anstreben von Erwartungen, sondern durch Erwartungen selbst.
Entspricht eine Erwartung nicht dem, was wir eigentlich wollen, wird sie zum Maßstab für unser Handeln. Und dieser Maßstab ermöglicht Vergleichen und Versagen.

Auf der anderen Seite liegt es in der Natur eines Systems, dass sich nicht jeder vollständig frei und selbst verwirklichen kann. Die Frage ist, ob und wie wir unsere Erfahrungen, die nicht im Sinne unserer Selbstverwirklichung sind, erfolgreich in unser Selbstbild integrieren und akzeptieren können.

Finden Sie sich in dieser Betrachtung wieder?

Dann lohnt sich ein genauerer Blick.

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